Entweder sie oder ich!

Ich weiß wie diese Überschrift klingt. So als wäre ich nach drei Monaten Deutschland wieder in die Highlands zurückgekehrt, um den Mann an der Seite einer anderen Frau vorzufinden. Der Schein der Überschrift trügt. Der Mann geht nicht fremd, der Mann lernt Deutsch.

Ich frage mich, was die Sprachexperten von duolingo denn so als typisches Gespräch für den Spracherwerb empfinden? Was ist falsch mit Die Kinder sind im Haus oder Wie geht es ihnen?

Egal, wichtig ist, dass der Mann den online Kurs macht und das sogar jeden Tag, man verliert nämlich Punkte, wenn man einen Tag auslässt. Das spornt den Wettbewerbssinn an und der Mann wird  sprachlich auf die unterschiedlichsten Lebenssituationen vorbereitet. In meinem Gälischkurs lerne ich Klassiker wie Die Ente ist auf dem Tisch, was selbst in den schottischen Highlands seltener vorkommt als die Konfrontation wegen einer anderen Frau.

„Entweder sie oder ich!“, sagt der Mann im Brustton der Überzeugung und mit einem leicht schottischen Akzent. Der Satz fällt ihm leichter als jene, die ein deutsches „r“ beinhalten. Das „r“ im Deutschen nicht zu sprechen fällt ihm nämlich genauso schwer wie mir, es im Schottischen kräftig zu rollen.

Das Geheimnis von duolingo, die App nutzt echte Sätze, die sie aus dem Internet bezieht. Der Mann scheint jedenfalls jede Menge Spaß mit dem kostenlosen Angebot zu haben und lernt täglich. Selbst an dem Abend, als wer mich vom Flughafen abgeholt hat.

über den Wolken

„Macht es dir was aus, wenn ich noch ein bisschen Deutsch lerne?“ hat er gefragt. Natürlich nicht. Ich musste ja ohnehin noch auspacken und unsere Einkäufe verräumen.

Aber vielleicht liegt duolingo gar nicht so falsch mit dem was sie dem Schotten beibringen.

Nur falls es irgendwann einmal so weit kommen sollte, dass der Mann mich sehr gut versteht, wenn ich mit der Empörung der nicht beachteten Frau rufe:

„Duolingo? Entweder die oder ich!“

 

 

 

Buchende Baroninnen

Wie kürzlich berichtet habe ich mir spontan eine ungeplante Auszeit gegönnt und einen Flug nach Schottland gebucht. Zwei Woche Highlands und das noch vor Weihnachten. Glücksgefühle pur!

Scottish Highlands in winter

Weil ich dieses Mal British Airways fliege, lade ich also eine weitere App aufs Smartphone und sortiere sie neben denen von Ryanair und Lufthansa ein und weil ich gerade dabei bin, will ich auch meine Buchung vervollständigen mit Anschrift, Passnummer und so weiter.

Schon nach dem ersten Menüpunkt kann ich nicht mehr weiter machen vor Lachen. Ich muss meinen Titel angeben. Bei Lufthansa ist das überschaubar, bei Ryanair (das sind Iren) auch. Nicht aber, wenn man mit British Airways fliegt.

Hier hat man die Wahl zwischen 14 Titeln, wobei Mr und Mrs für Herr und Frau und das MS für ich-möchte-nicht-angeben-ob-ich-verheiratet-bin-oder-nicht noch die einfachsten sind.

Dann wird es skurril: Captain, Rabbis, Baronness, Viscountess, Lady oder vielleicht Dame? Das ist als würde man durch einen Adels Almanach scrollen und fühlt sich dann schon fast ein wenig beschämt beim simplen MS anzuhalten.

Eilean Donan Castle

Wie viele Baroninnen sind denn so im Schnitt auf einem BA Flug an Bord frage ich mich. Und buchen die auch ihre Sitze mit mehr Beinfreiheit? Wieviel Freifrauen und was weiß ich noch, ich kann nicht mal alle Titel ordnungsgemäß ins Deutsche überzetzen. Was möglicherweise auch daran liegt, dass ich keine Gala lese aber das nur nebenbei.

Bei Loganair, das ist die schottische Fluglinie, gab es keine Adelstitel auszuwählen. Das fällt nur der offiziellen Fluglinie des Vereinigten Königreichs mit Sitz in London ein. Und während ich noch die langweiligen Daten wie Adresse und Passnummer eingebe, fühle ich mich fast schon fürstlich, wie ich so auf der edlen App unterwegs bin.

Buchen Baroninnen BA und checken auf der App ein? Ich stelle mir die Queen vor, wie sie mit weißen langen Handschuhen versucht auf ihrem iphone den Sitzplatz zu ändern. Aber wahrscheinlich macht das ohnehin der Butler.

Wer hätte gedacht, dass eine App solche Bilder in meinem Kopf erzeugen kann.

„We are quite amused.“ denke ich mit royaler Gelassenheit. Wir sind in der Tat sehr amüsiert.

 

 

Ich bin ein Huhn

Ich bin ein Huhn – auf Deutsch eine (auch von mir) durchaus gebräuchliche Redewendung. In der Regel ist sie synonym für „Ich bin doof.“ Doof auf eine nette Weise aber eben trottelig oder schusselig.

Nun, der Mann nennt mich gelegentlich auch Huhn, aber damit meint er keineswegs trottelig oder doof. Im Gegenteil, der Mann ist ja aus Glasgow und da ist „Huhn“ eine liebevolle Bezeichnung für eine Frau, meist eine ältere Frau und es ist auch nicht wirklich Huhn, es ist Henne.

All right, hen?

Ist die Frage wie es mir geht.

Ein Glasgower meint das absolut liebevoll und die Henne steht der lassie (oder lass) um nichts nach. Dieser Begriff bezeichnet eine junge Frau oder ein Mädchen und wurde von amerikanischer Serienproduzenten als Name für den Lieblingscollie mancher Kindheit übernommen.

For God’s sake, lassie, what did you do?

Ist die Frage, wenn ich beim Rasen mähen von der Mauer falle und Bilder meines verschrammten Beins schicke.

Wenn der Mann sich erschreckt, wird die Frau ad hoc jünger. Aber ich kann ja nicht ständig von der Mauer fallen, um die jüngere Anrede zu rechtfertigen. Außerdem bin ich mit der Anrede hen eigentlich ganz zufrieden.

Mit Ausnahme der Momente, in denen er sie auch für sehr alte Frauen benutzt. Wie vor einiger Zeit in der Borders, als zwei wildfremde ältere Damen mühselig aus einem Friedhof wackelten und über die Straße wollten. Der Mann ließ die Autoscheibe runter und rief der Führenden ein fröhliches:

 

All right hen? On you go!

Die beiden tippelten glücklich über die Straße und ich kicherte auf dem Beifahrersitz des geduldig die Überquerung abwartenden Autos.

OK ihr Hühner, lauft los?

Irgendwie würde das in Deutschland nicht mit einem derart strahlenden Lächeln quittiert werden.

 

Ich hab es nicht mehr ausgehalten!

Es ging nicht mehr! Es war einfach unmöglich. Und dann sah ich auch noch diesen Flug und da war mir klar: Dies ist ein Zeichen.

Ich muss wieder nach Schottland!

Abenteuer Highlands

Geplant waren eigentlich gute vier Monate in Deutschland: arbeiten, Geld verdienen, Familie und Freunde sehen. Zwei Monate habe ich gearbeitet wie eine Wahnsinnige und habe nun wieder wahnsinnig Lust auf Schottland bekommen.

Zwei Wochen konnte ich im Dienstplan finden, in denen mich meine Chefs nicht allzu sehr vermissen würden und dann saß ich vergangenen Sonntag im Büro vor dem Computer und starrte den Flug an: Deutschland über London nach Inverness. Zumindest der Hinflug zu menschlichen Zeiten und der Preis: 203 € mit Gepäck für Hin- und Rückflug. Zu gut, um das nicht zu sofort zu buchen.

Turbine Flug

Flüge nach Schottland sind so eine Wissenschaft für sich. Sie ändern sich ja ständig und auch die Anbieter und Zeiten. Lufthansa, Ryanair, EasyJet, Glasgow, Edinburgh, Aberdeen, alles schon im Programm gehabt. Und die An- und Abreise muss man bei den Flughäfen ja auch mitkalkulieren, wenn man in die Einsamkeit der Highlands will.

Mein Finger schwebte über der Tastatur, der Kollege am anderen Schreibtisch hatte die Kopfhörer auf und war beschäftigt. Ich war ganz allein mit der aufregenden Entscheidung spontan im November nach Schottland zu fliegen.

Flug

Klick, bestätigen, Daten eingeben, fertig, zwei Wochen Highlands im November waren plötzlich Realität. Ich hätte am liebsten ein kleines Tänzchen veranstaltet, aber das hätte den Kollegen dann doch zu sehr verwirrt. Also habe ich einfach beseelt (und wahrscheinlich leicht dümmlich) vor mich hingelächelt. Es ist mir ganz egal ob es dauerregnet oder stürmt im November in den Highlands. In Schottland brauche ich keinen Sonnenschein, um glücklich zu sein.

Nieselregen Schottland

Der Mann wird überrascht sein, denn mit mir rechnet er nicht. Abgesprochen war, dass ich erst nach Weihnachten wieder in Schottland bin. Und nun der November. Am liebsten würde ich ihn überraschen. Ich überlege.

Was, wenn ich einen Post auf dem Blog schreibe, dass ich komme. Der Mann liest ja meinen Blog über Google Translate. Ich stelle mir sein Gesicht vor, wenn er liest. Wahrscheinlich wird er halblaut murmeln: She’s mad! Sie ist wahnsinnig! Und dann wird er sich freuen wie Bolle. Und dann wird er überlegen, was er alles aufräumen und putzen muss.

Das hatte ich mir alles so schön vorgestellt. Doch keine Stunde nach der Buchung habe ich ihm die Bestätigungsmail von British Airways weitergeleitet. Und was schreibt er? You’re mad! But superbly so. Ja, ich bin wunder bar verrückt. Und ungeduldig. Die Enthüllung konnte nicht über den Blog kommen, sie musste gleich per Mail geschehen. Überraschungen sind was für geduldige Menschen.

Ich hab es nicht mal eine Stunde ausgehalten.

I’m coming home!

 

 

Sehnsuchtsland Schottland

Ich habe Sehnsucht, Sehnsucht nach Schottland. Draußen ist es trüb und grau und irgendwie scheint mir Tristesse in Schottland nicht nur angemessener, sondern sie fühlt sich auch viel besser an, richtig irgendwie, was natürlich in Wahrheit eine sehr romantische Sichtweise ist aber schauen wir Deutsche denn nicht (fast) alle mit Romantik im Sinn nach Schottland? Und das nicht erst seit Outlander!

©nme Abenteuer Highlands Sehnsuchtsland Schottland

Es ist nicht die Rosamunde Pilcher Romantik, die mich (und viele andere nach Schottland zieht, keine wiedergefundenen Millionärskinder, keine einsamen Erben eines prachtvollen Schlosses. Aber es sind die Werte, wie sie in Outlander transportiert werden: Freiheit, Kraft, Ursprünglichkeit, Wildheit. Ein Land, im dem das Herz lauter schlägt.

Ich bin bei weitem nicht die einzige Deutsche, die es seit vielen Jahren unwiderstehlich nach Schottland zieht. Nun inzwischen habe ich dort ein richtiges Leben und viele Menschen, die mir fehlen, wenn ich wieder in Deutschland bin. Die Sehnsucht nach Schottland aber hatte ich schon seit ich das erste Mal einen Blick in dieses wunderbare Lande geworfen habe. Ich war 15 und mit meiner Cousine per Interrail unterwegs. Damals hatte Schottland uns beide tief und irgendwo im Inneren berührt. Es muss die Seele gewesen sein, denn dieses Gefühl hat uns nie wieder losgelassen. Was für ein Glück hatte ich, dass ich nun nicht mehr nur eine Besucherin bin.

©nme Abenteuer Highlands Sehnsuchtsland Schottland

Wie viele Menschen sitzen außer mir noch am Computer und träumen sich über Fotos und Posts auf Social Media nach Norden, verschlingen Bücher (Hab ich schon erwähnt, dass ich ein Buch über Schottland geschrieben habe?) nehmen TV Dokumentationen auf oder schauen sich Drohnenflüge über die Highlands auf YouTube an. Doch die Sehnsucht stillt all das nicht. Im Gegenteil, es lässt sie noch viel stärker werden.

©nme Abenteuer Highlands Sehnsuchtsland Schottland

Deutschland hat nur noch sehr wenig Wildes, Großes, Überwältigendes, nicht mal mehr im Schwarzwald, wo es selbst im Naturpark Nordschwarzwald, dem größten in Deutschland, diese atemberaubende Abgeschiedenheit nicht gibt. Zugegeben, im Sommer gibt es sie auch in Schottland nicht mehr aber sobald es Herbst wird, so wie jetzt, dann ist mein Sehnsuchtsland wieder still, einsam und verlockend und dann fällt es mir schwer nicht sofort den nächsten Flieger zu buchen und wieder zurück zu fliegen.

©nme Abenteuer Highlands Sehnsuchtsland Schottland

Von einigen von euch weiß ich, wie sehr es euch in dieser Beziehung genauso geht. Und die anderen? Was macht ihr mit euer Sehnsucht nach dem Land des Windes und der Weite, wo der Klang des Dudelsacks durch einsame Täler hinauf auf mythische Berge zieht und die Luft nach Salz und Torf schmeckt, wo die Menschen Fremden freundlich begegnen und wo alles, selbst der kleine Stein, eine faszinierende Geschichte hat?

Wie lebt ihr mit eurer Sehnsucht nach Schottland?

 

 

 

Die Douglas aus Douglas

Wer in einer bestimmten gegen in Schottland in der Vergangenheit (und manchmal noch immer) das Sagen hat, ist oft und ganz einfach am Ortsnamen abzulesen. In Douglas, im Süden von Lanarkshire, war das die gleichnamige Familie, die in vielerlei Hinsicht großen Einfluss auf die Geschichte Schottlands hatte. Ursprünglich kamen die Douglas entweder aus Frankreich oder Holland bevor sie in Schottland zu Macht und Reichtum gelangten.

Sir James Douglas (auch Black Douglas, der schwarze Douglas genannt) war einer von zwei Befehlshabern der Armee von König Robert Bruce und später auch der Mann, der das Herz des Königs ins Heilige Land trug, wo er allerdings auch starb. Unter Robert Bruce waren die Douglas zu großer Macht gekommen. Aber sie waren auch religiös und der Bau der St Bride’s Church in Douglas war ein äußeres Zeichen dieser inneren Überzeugung. Die Douglas waren im frühen 14. Jahrhundert, als die Kirche gebaut wurde, sehr einflussreich, ihr Besitz lag in Selkirkshire, Ayrshire, Roxburgshire und Lanarkshire sowie weiter nördlich in Banffshire, Moray und Ross-shire. Der 5. Earl of Douglas war schließlich sogar Regent  Schottlands als James II noch minderjährig war. Der 8. Earl wurde allerdings vom König erstochen und der 9. verlor als Verräter allen Besitz, seine Burg wurde dem Erdboden gleich gemacht.

In der St. Bride’s Kirche befindet sich das Mausoleum der Douglas. Die Uhr war ein Geschenk der legendären Mary Queen of Scots, sie ist damit die älteste Kirchenuhr Schottlands und sie geht traditionell drei Minuten vor. Das liegt am Moto der Douglas: never behind, niemals zurück oder niemals zu spät.

Die „Douglas Tafel“ ist nicht nur in Lanarkshire ein gängiger Begriff für eine historische Begebenheit, die wie so oft nichts an grausamen Details zu wünschen übrig lässt. Eine zentrale Rolle spielte dabei das nicht mehr existente Castle Douglas.

Es war 1307 und die Burg war mit englischen Truppen besetzt. James Douglas aber wollte sie wiederhaben und bat den König um Erlaubnis, seine eigene Burg anzugreifen. Der König nickte und Sir James machte sich mit zwei ausgewählten Männern auf den Weg nach Hause. Dort sammelte er Männer um sich, was auf den eigenen Ländereien naturgemäß nicht sehr schwierig war, der Earl war ja der Lehnsherr der Bauern.

Als der Palmsonntag kam und die gesamte Burg zum Gottesdienst ging, mischte sich Douglas mit den Männern unter die Gemeinde und griff dann von innen heraus die Burg an. Sie töteten alle Engländer und setzten sich anschließend an die große Tafel, die bereits für die Engländer gedeckt worden war, und schlemmten ausgiebig. Dann steckten sie alles ein, was sie mitnehmen konnten, vergifteten die Brunnen, köpften die letzten Engländer, die noch in den Gefängnissen saßen und stapelten ihre Körper, Köpfe und die Essensreste auf der Tafel übereinander. Das nannte man dann die „Douglas Tafel“ (Douglas Larder) denn so hatte noch keiner vor ihm getafelt.

Douglas war bewusst, dass er seine Burg nicht dauerhaft gegen die Engländer würde halten können, deshalb hatte er auch nicht vor, zu bleiben. Er wollte lediglich seine Macht demonstrieren und dem englischen König Edward I mehr als deutlich vor Augen führen: Keiner reizt mich ungestraft! Alle auszulöschen half auch den beteiligten Männern, die er aus den umliegenden Dörfern akquiriert hatte. Ohne Zeugen würde keiner sie mehr identifizieren können, denn die Männer kehrten nach der Tat ja wieder in ihre Häuser zurück. Es war eine barbarische Tat aber es war auch die Antwort auf die mindestens ebenso barbarischen Taten des englischen Königs.

Der Douglas aber hatte noch nicht genug. Die Engländer schickten neue Truppen und besetzten die Burg, Douglas kam zurück und ließ das Vieh vertreiben, das die Engländer außerhalb der Burg weiden ließen. Die Engländer versuchten es wieder einzufangen und liefen geradewegs in den Hinterhalt, den Douglas sich für sie ausgedacht hatte. Er ließ die Toten liegen, zog sich zurück und plante einen dritten Angriff.

Diesmal war es eine Gruppe Frauen, die die Engländer ins Verderben stürzen sollten. Sie transportierten Heu und Nahrungsmittel und waren gerade dabei, mit Packpferden in der Nähe der Burg vorbei zu ziehen. Die Engländer witterten leichte Beute und Nahrung, Pferde konnten sie ohnehin immer gebrauchen. Also griffen sie an, doch die Frauen waren keine Frauen sondern verkleidete Schotten. Die Beteiligten lieferten sich ein heftiges Gefecht, inzwischen griff Douglas seine eigene Burg ein drittes Mal an. Diesmal tötete er die Gefangenen nicht, sondern erlaubte ihnen freie Passage nach England, dann machte der die Burg dem Erdboden gleich. Das war die Politik von König Robert Bruce, immer verbrannte Erde hinterlassen, damit der Gegner keine der Ressourcen nutzen kann.

Für die Engländer war James Douglas nun der Schlächter schlechthin und war und blieb für sie der schwarze Douglas. Diese Art der Kriegsführung war das, was Guerillataktik genannt wird. König Robert Bruce und Sir James Douglas beherrschten sie in Perfektion.

 

Hab ich schon mal gesagt, was ich für wunderbare Leser hier auf „Abenteuer Highlands“ habe?

Vielen lieben Dank Britta für die tollen Fotos. Ich hatte keine, weil ich auf den anderen Friedhöfen in der Nähe zu viel Zeit verbracht hatte. So blieb es bei der Recherche und der Geschichte ohne Bilder, bis Britta ihre anbot.  

Ich freu mich sehr darüber. 

Liebe Grüße,

Nellie

Kein Cappuccino für Boris Johnson

„Ich mache mich jetzt auf den Rückweg. In etwa 6 Stunden bin ich zu Hause.“ Ich drücke senden und starte den Motor.

Es ist Sonntagnachmittag und Saison, es wird also viel Verkehr sein aber Google Maps sagt, die Strecke ist weitgehend frei. Ich war ein Wochenende allein unterwegs, weil Verwandte des Mannes länger zu Besuch geblieben waren, als angekündigt. Die Übernachtung für unser zweites Wochenende in den Borders war aber bereits gebucht und wir hätten das Zimmer bezahlen müssen, ohne es zu nutzen. Das schien uns nicht die beste Lösung also hatten wir beschlossen, dass der Mann zu Hause die Stellung hält während ich alleine in die Borders fahre, um zu recherchieren. Blöd aber nicht zu ändern.

Deshalb war ich also allein unterwegs, rund 500 Kilometer nach Süden am Samstag und rund 500 Kilometer wieder zurück am Sonntag.

Dumfries Coast (1)

Ich hatte Glasgow hinter mir gelassen und war bereits aus Dumbarton raus, hatte am Lomondgate Roundabout bei Costas einen großen Cappuccino geholt und war auf der Toilette gewesen. Ich war gerüstet für die Highlands und alle Abenteuer, die da auf einen warten.

Am übernächsten Kreisverkehr plötzlich ein langer Rückstau, die Straße nach Loch Lomond abgeriegelt, ein Polizeifahrzeug mit Blaulicht blockiert den Weg, ein Polizist im Kreisverkehr dient als Erklärer.

„Sorry, die A82 ist bei Luss gesperrt. Wissen sie, wie sie umfahren müssen?“

„Ja, kein Problem!“ sage ich. Zumindest trifft das ungefähr zu aber ich habe sowohl Karte als auch Telefon und Ladekabel im Auto, ich werde also keine Probleme bekommen. Zumal – ich muss einfach nur allen anderen hinterher fahren. Die A82 ist die Hauptverkehrsader nach Norden, wenn man im Westen des Landes unterwegs ist.

Google Maps hatte nur von einem Unfall und 15 Minuten Zeitverzögerung gesprochen. Die Straße ist  bei Luss sehr gut ausgebaut, da kann man einen Unfall eigentlich umfahren. Wenn die Polizei aber die Straße komplett sperrt, dass hat es Tote gegeben. Und das dauert meist mindestens einen halben Tag, bis sie die Straße wieder für den Verkehr freigeben wird.

Ich texte dem Mann, aktiviere meine Position auf Google Maps und teile sie mit ihm. So kann er immer sehen, wo ich gerade bin.

Ich fliege auf der westlichen Umfahrung, die Straße ist super ausgebaut. Warum fahre ich hier eigentlich nicht öfter? Schließlich ist der enge obere Abschnitt der A82 am Loch Lomond immer schlecht zu fahren, weil die entgegenkommenden Busse und LKW fast nicht aneinander vorbei kommen.

Dann sehe ich die ersten Schilder (MOD) und es wird mir klar, warum die Straße hier so hervorragend ausgebaut ist. Das MOD ist das Verteidigungsministerium und ich fahre geradewegs auf Faslane zu, den Flottenhafen der Marine, in dem die Atom U-Boote cAuto mit Bootsanhänger verursacht Stausitzen, die und wer weiß was noch alles. Passend zum Thema wird das Wetter plötzlich dunkel und regnerisch und selbst Gare Loch, der Meeresarm an dem ich nun vorbei fahre, wirkt düster und bedrohlich. Was hier unter der Wasseroberfläche liegt, hat die Macht zur totalen Zerstörung. Ich würde am liebsten so schnell wie möglich an dem Stützpunkt vorbei fahren aber ein entgegenkommendes Auto mit Bootsanhänger blockiert den gesamten Verkehr. Der Fahrer hat schließlich ein Einsehen und fährt soweit das auf der engen Straße geht links ran. Damit kann der Verkehr auf meine Spur an ihm vorbei aber der Verkehr auf seiner steht.

Und genau ist das Problem für die nächsten Stunden (Google liegt leider völlig falsch mit der Prognose). Der umgeleitete Verkehr (die meisten werden über die östliche Umfahrungsroute geleitet aber manche eben über die im Westen) kommt auf dem engen Teilabschnitt entlang des Gare Loch nicht aneinander vorbei, normale Autos ja aber Busse, Bootsanhänger oder Camper nein. Und es gibt viele Busse, Bootsanhänger und Camper an einem Sommersonntag rund um Loch Lomond. Und weit und breit gibt es so gut wie keine Ausweichbuchten oder Parkplätze. Es gibt kein Entkommen.

Das stop and go zieht sich über Stunden, bis sich mein operierter Meniskus beschwerte. Ich sehne mich nach meinem deutschen Auto mit Automatik. Ansonsten vertreibe ich mir die Wartezeit, bis es wieder weiter geht mit Instagram Posts und Serien, die ich auf das Tablett heruntergeladen habe. Ich bin entspannt. Die meisten Menschen sehen allerdings ziemlich genervt aus in ihren Autos. Kein Wunder, es geht ja auch kaum voran.

Auf deutschen Autobahnen ist das mit dem Ferienverkehr sicher auch nicht anders Auto wendet im Staudenke ich und entspanne. Schließlich habe ich allen Grund, nicht gestresst zu sein, ich habe Café und Schokolade und brauche keine Toilette. In diesem Monsterstau gibt es bestimmt einige, die nicht so glücklich sind. Manche versuchen sogar zu wenden, um ihr Glück in der anderen Richtung zu suchen. Und ich schaffe es noch vor Sonnenuntergang nach Hause.

Am nächsten Tag besucht Prime Minister Boris Johnson Faslane, um sich über das Prozedere im Falle eines nuklearen Angriffs zu informieren. Natürlich wird er per Helikopter eingeflogen, was bedeutend schneller und unproblematischer ist  aber ich wette keinen Cappuccino von Costa beinhaltet, denn die haben zwar einen drive-thru aber keinen Heli-Landeplatz. Wahrscheinlich mag Boris Johnson ja gar keinen Cappuchino, der Europa Verweigerer genießt sicher viel lieber echt „britischen Tee“ aus Assam, China oder Ceylon.

Drei Chinesen

Dies ist keine Geschichte über einen Kontrabass und vielleicht ist es nicht einmal eine Geschichte über drei Chinesen, es könnten dem Aussehen nach zu urteilen auch drei Japaner oder drei Koreaner gewesen sein. Ich habe sie nicht sprechen hören. Gehen wir aber mal von drei Chinesen aus.

Es war eine kleine Familie, der Vater stämmig aber nicht dick mit Brille, die Mutter etwas älter als ihr Mann, schmal, mit aufmerksamem Blick, den man der Tochter nun nicht nachsagen konnte. Der Teenager blickte leicht dümmlich unter dem Schirm einer Basecap hervor, die sie nicht aufgesetzt hatte, sondern die auf ihrem Kopf balancierte. Sie hatte diesen schlurfenden Gang der heranwachsenden Unlustigkeit.

Der Vater führte seine beiden Frauen gerade von Zapfsäule 6 zu Zapfsäule 7 und murmelte irgendeine Erklärung, während Mutter und Tochter bewundernd auf die Zapfsäule blickten. An der Zapfsäule wurde nicht getankt. Was also gab es da zu sehen?

Ich zucke gedanklich mit den Schultern und stecke den Tankstutzen ein, ich tanke in der Reihe neben den Tankstellentouristen und frag mich, was an einer völlig normalen schottischen Zapfsäule denn so Bewundernswertes ist, dass gleich drei Menschen von einem anderen Kontinent sie bestaunen.

Der Vater nickt seinem Gefolge zu und macht sich entspannt und zielgerichtet in meine Richtung auf. Aha, denke ich. Der will bestimmt nur zuschauen, wie es geht und sehe mich verstohlen nach einem Auto um, das von niemandem betankt wird und folglich den Chinesen gehören muss. Es gibt keines. Was also wollen die drei?

Die Kleingruppe hat mich inzwischen erreicht und der Vater blickt mich kurz an. Ich lächle ihm freundlich entgegen, mein Blick fragt, ob er Hilfe braucht. Vollständiges Ignorieren ist die Antwort. Er geht an mir vorbei und betrachtet gemeinsam mit seiner Familie mich und meine Zapfsäule als wäre ich ein Affe im Zoo mitsamt seinem Kletterbaum. Denen würde man ja auch nicht zunicken oder sie gar grüßen.

Ich ziehe meine Augenbrauen hoch aber noch bevor ich etwas sagen kann, fällt mein Blick  durch die Glasfront des Gebäudes auf den Kassierer, der hat die Szenen beobachtet, lacht und zuckt die Schultern. Ich lache zurück.

Die Familie aus China zieht weiter zur nächsten Tanksäule ihrer Bewunderung. Mein Tank ist voll und ich schreite zum Bezahlen. Kaum komme ich an die Kasse sagt der Kassierer lachend:

„Fragen sie mich nicht. Die machen das schon eine ganze Weile.“

Ich reiche ihm meine Kreditkarte.

„Die wollen vielleicht wissen, wie man tankt und brauchen Hilfe.“ rätsle ich.

„Nein.“ sagt der Tankwart. „Die wollen nur schauen.“

Wir lachen beide und während er mir die Treuepunkte auf die Kundenkarte bucht, geht das Triumvirat aus Fernost auf die Suche nach weiteren touristischen Highlights in Fort William.

Vergesst Ben Nevis, Inverlochy Castle oder die Whiskly Destillery! Genießt den Zauber der Morrison Tankstelle.

Komischer Urlaub denke ich, den die Chinesen da machen, als ich wieder zurück zum Auto gehe. Aber wer bin ich, dass ich darüber urteile? Schließlich fotografiere ich Friedhöfe in meinem.

Liebe Leser,

dieser Blogpost muss leider ohne Bilder auskommen. Zum einen darf man an Tankstellen in Schottland das Telefon nicht benutzen, zum anderen hat natürlich jeder das Recht an seinem eigenen Bild.

Ich hoffe Ihr hattet trotzdem Spaß!

Slàinte,

Nellie

 

Der König im Kino

Robert Bruce war nicht nur ein König, er war der König von Schottland. Wenn also die Aussicht besteht, den König zu treffen und mit ihm zu reden, dann sagt man da nicht nein.

Die Rede ist natürlich nicht von richtigen Robert Bruce, der starb ja bereits 1329. Die Rede ist vielmehr von Angus MacFadyen, dem Schauspieler, der in Braveheart den König spielte und nun mit seinem eigenen Film “Robert the Bruce” durchs Land reist, weil der Film nicht der Kassenschlager wurde, den man erhofft hat. Der Mann kennt MacFadyen nicht persönlich, obwohl er als Statist in Braveheart mitgewirkt hat.  Aber er kennt andere im Film und ist schon allein deshalb nicht abgeneigt, mit ins Kino zu gehen. Außerdem ist der Bruce Fan (der König, nicht der Schauspieler).

Sleat road

Ins Kino gehen? Naja, ganz so einfach ist das natürlich wieder nicht und gehen geht schon gar nicht. Das nächste richtige Kino ist in Inverness und damit 2 Stunden entfernt. Der Film wird in der Aula meines College gezeigt, das ist nur eine Stunde Fahrt von zu Hause. Richtigen Kinocharme hat das natürlich nicht, es ist nicht mehr als seine große Leinwand in einem Raum, der sich anfühlt wie eine Schulaula. Nichts für Cineasten also aber nach dem Film wird es eine Fragerunde mit dem Produzenten und Hauptdarsteller geben. Warum er gerade hierher in die Einsamkeit der Insel Skye kommt? Er hat Familie hier.

 

Die Fahrt ist trotz mäßigen Wetters wunderschön und wie freuen uns auf den Film. Und ich freue mich auf das College, mein nächster Gälischkurs steht bald an.

Angus MacFadyen

Wir finden einen Platz, das „Kino“ ist gut besucht und der König hält eine kleine Begrüßungsrede. Dann geht das Licht aus und wir reisen in den kalten Winter des Jahres 1306.

screening The Bruce in Sabhàl Mor OstaigDer Film ist Low Budget und hat keine der finanziellen Unterstützungen bekommen, auf die er gehofft hatte, die meisten Szenen wurden nicht in Schottland gedreht. Kamera und Schnitt bieten nichts Neues. Aber die Akzente sind gut, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass einige der Schauspieler Amerikaner sind. Der Film erzählt die fiktive Geschichte wie der König auf der Flucht und in einer Findungskrise im Haus einer Familie Schutz findet und über die Zeit der Genesung schließlich auch wieder zu sich selbst und der Aufgabe, die vor ihm liegt: Schottland zu vereinigen und gegen die Engländer zu verteidigen. Der Film hat nach dem ersten Drittel etwas Länge aber sonst ist er stimmungsvoll und für Schottlandfreunde auf jeden Fall sehenswert.

Weil sich der Film an den Kinokassen so schwer tut, muss MacFadyen eben durchs Land tingeln. In England kam der Film gar nicht erst in die Kinos, man hat ihm Nationalismus vorgeworfen. Zu Unrecht aber natürlich ist die Robert Bruce Story allein aus dem geschichtlichen Zusammenhang heraus eine Geschichte der Befreiung von England. Im Film kommt allerdings kein einziger Engländer vor. Dass aber Angus MacFadyen ein leidenschaftlicher Unterstützer der schottischen Unabhängigkeit ist, das weiß jeder, der ihm auf  Twitter @macfadyenangus folgt. Sein Hoodie beseitigt alle Zeifel.

MacFadyen in SMOEr spricht sehr offen über alles in der Fragerunde und als der offizielle Teil vorbei ist, drängen immer wieder Zuschauer um ihn, bitten um ein Foto. Vor mir ist eine Frau um die 60 mit schmalem Mund und grauem Pferdeschwanz. Sie hat das Bedürfnis sich zu rechtfertigen, weil sie Engländerin ist.

„I am an Anglo-Scots“ sagt sie mit südenglischem Akzent. Anglo-Schottin? Das habe ich auch noch nicht gehört. Der Bruce nickt und schweigt. Um ihn herum scharen sich die Engländer, die auf Skye leben und sich irgendwie nicht angesprochen fühlen möchten. Ganz offensichtlich hat der König auch 600 Jahre nach seinem Tod noch immer die Macht, Engländern das Fürchten zu lehren.

Möge die Macht mit uns sein

Wie fahren schon seit geraumer Zeit durch das Nichts. Rechts und links erheben sich kahle, grüne Hügel, der Himmel ist weitgehend grau und auf der Straße treffen wir außer gelegentlich ein paar Schafen keinen Menschen und schon gar kein Auto. Wir sind im ländlichen Raum der schottischen Borders unterwegs. Wir wollen für das neue Buch recherchieren und der Mann will fotografieren. Außerdem kann ich ihn da noch auf ein paar Friedhöfe mitnehmen, die ich schon lange mal sehen wollte.

„Ziemlich einsam hier“, sagt der Mann. „Fast wie auf dem Mond.“

Ich nicke. „Hab dir doch gesagt, dass es abgelegen ist. Deshalb habe ich auch ein Inn gebucht und kein normales B&B. Wir bekommen sonst nirgendwo ein Abendessen.“

Ettrick Water

Den Tisch habe ich auf 19 Uhr reserviert und Google Maps sagt mir, dass wir gegen 18:30 Uhr ankommen.

Tushielaw Inn

Das Tushilaw Inn ist sehr hübsch, außen in traditionellem schwarz-weiß gehalten und innen genau so eingerichtet, wie man sich ein altmodisches Inn vorstellt. Es ist perfekt und liegt idyllisch am Ufer des Ettrick Water in einem grünen Tal. Der Ort besteht aus insgesamt drei Häusern. Das sollte ein ruhiger Abend werden, denke ich.

Die Sonne scheint und die ersten Gäste sitzen an den Gartentischen im Biergarten.

Ja! Es gibt einen Garten, zwar direkt an der Straße aber da kein Auto kommt, macht das überhaupt nichts. Wir können im Freien essen, meint der Chef. Ein Mann jenseits der Sechzig mit grauem Wuschelkopf und einem Star Wars T-shirt.

Draußen essen? Galaktisch! Ich kann mein Glück nicht fassen. Da ist sonst nie das Wetter dazu, weil es entweder regnet oder einen die Mücken auffressen. Und da sind wir nun und genießen die Abendsonne.

Der Chef bringt der Frau am Tisch neben uns seine Sonnenbrille. Ich fühle mich Lichtjahre entfernt von dem Planeten, auf dem Schottland sonst zu finden ist.

Das Abendessen ist klassische Hausmannskost, die Chefin kocht selbst und wir loben sie gebührend, als sie kommt um sich zu erkundigen, ob alles recht war.

Inzwischen ist die Sonne hinter dem Berg verschwunden und es wird schnell deutlich kühler. Wir ziehen nach drinnen um, an der Bar ist die Hölle los. Ein paar Einheimische haben sich eingefunden, dazu ein paar Engländer die entweder hier leben oder hier hingezogen sind. Die Borders sind schließlich Grenzland, nach England kann man fast laufen.

A pro pos laufen. Wir lernen Ivan kennen, der (und das ist nicht zu überhören) aus Neuseeland kommt. KaminfeuerUrsprünglich aber aus Bulgarien. Er ist sehr groß und sehr schlank und er ist zu Fuß unterwegs. Mit einem Stock und einem kleinen Rucksack. Von Land’s End nach John o’ Groates. Von südlichsten Ende Englands zum nördlichsten Punkt des schottischen Festlands. Ein Klassiker unter den Wanderwegen, runde 1400 – 1900 Kilometer je nach Route.  Ivan ist allein unterwegs aber hat sofort festgestellt: seit er in Schottland ist, reden die Leute mit ihm. Das ist ihm in England nicht passiert. Das trifft natürlich nicht auf alle Engländer zu. gerade setzt sich einer an unseren Tisch, er trägt Hosenträger und lebt ein paar Kilometer weiter die Straße runter.

„Kommt doch Morgen bei mir vorbei“, sagt er. Mein Haus ist leicht zu erkennen, ich habe viele Gartenzwerge und Gnome im Garten. Ich stelle mir das ein bisschen wie die Kantine in Star Wars vor. Und mit Ivan habe ich ja auch eine Art Obi-Wan Kenobi am Tisch. Ein OB Van (sprich obi-wan) ist Englisch für Übertragungswagen und Ivan arbeitet in der Filmbranche, gar nicht so weit weg von dem was ich mache beim Fernsehen.

Der Mann unterhält sich mit dem Gnombändiger über Musik, ich mit dem Langstreckenwanderer über Schnitttechniken im Film.

Und als der Chef mit dem Star Wars T-Shirt last orders ruft, da hätten wir alle vier gerne Bar Weinglasgewusst, wie man durch die Zeit reist oder zumindest einen Planeten findet, auch dem die Ausschankzeiten etwas legerer gehandhabt werden. Als ich dann schließlich ins Bett falle, fühlt sich mein Kopf allerdings an, als würde Luke Skywalker damit Kreise drehen und der Mann schnarcht wie ein intergalaktischer Zerstörer.

Möge die Macht mit uns sein, denke ich und schließe die Augen. Möge die Macht mit uns sein!